#010 Tag der Baukultur – Warum gute Gestaltung alle betrifft
Shownotes
Baukultur ist mehr als schöne Architektur. Sie entscheidet darüber, wie wir wohnen, arbeiten, uns begegnen und unsere Städte erleben.
In dieser Folge von nextPremnitz34 sprechen wir über den Tag der Baukultur in Brandenburg und die Bedeutung einer qualitätsvollen gebauten Umwelt.
Wir sprechen über:
- die Rolle der Bundesstiftung Baukultur als bundesweite Plattform für nachhaltiges Planen und Bauen
- den Baukulturbericht und den Konvent der Baukultur als wichtige Impulse für Politik und Gesellschaft
- den Aktionstag in Brandenburg, koordiniert durch die Brandenburgische Ingenieurkammer
- Führungen, Ausstellungen und Diskussionsrunden rund um Architektur, Stadtentwicklung und öffentliche Räume
- die Verbindung von Baukultur mit sozialen und ökologischen Fragen
- Zukunftsprojekte wie die IBA 2034 als Chance für neue Perspektiven im Havelland
- die Zusammenarbeit von Fachleuten, Politik und Zivilgesellschaft
- die Frage, wie gute Gestaltung langfristig Lebensqualität sichern kann
Diese Folge zeigt: Baukultur beginnt nicht erst bei spektakulären Gebäuden. Sie beginnt dort, wo Menschen ihre Umgebung bewusst gestalten und Verantwortung für ihre Stadt übernehmen.
Mehr Infos auch unter: https://www.bundesstiftung-baukultur.de https://www.bbik.de/themen/tag-der-baukultur/ https://www.bbik.de/themen/tag-der-baukultur/programm/details/iba34-berlin-brandenburg/ Anmeldungen zu den Veranstaltungen in Premnitz unter: Michael Th. Omilian presse@welten-verbinden.com
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Redaktion: Christopher Weiß, in Zusammenarbeit mit NotebookLM Produktion: STRÖM New Audio Culture, www.stroem.media
🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich Willkommen zu einer weiteren Folge unseres neuen Podcasts Next Premnitz, thirty-four.
00:00:06: Ihr Podcast aus und über Premnits.
00:00:10: Stellen Sie sich doch mal vor die ganzen unscheinbaren ja vielleicht grauen Gebäude an denen sie jeden Morgen so auf dem Weg zur Arbeit achtlos vorbei fahren dass genau diese Gebäuden in Wahrheit den Schlüssel zur Zukunft der gesamten Architektur in Sicht tragen.
00:00:28: Und wir sprechen da heute eben nicht über ferne Metropolen, sondern wirklich über das was direkt hier vor unserer eigenen Haustür passiert.
00:00:36: Genau und das ist ja oft das spannendste finde ich?
00:00:38: Absolut!
00:00:39: Wir wollen nämlich heute ein Wort dass oft naja sagen wir mal furchtbar abstrakt und auch ein bisschen trocken klingt, nämlich das Wort Baukultur heute mal so richtig sezieren in unserer Analyse.
00:00:51: Ja, das ist dringend nötig glaube ich!
00:00:53: Wir
00:00:53: schauen uns an was das Land Brandenburg mit der internationalen Bauausstellung also der IBA im Jahr zwanzig vierunddreißig eigentlich konkret vorhat und vor allem warum unsere Stadt also warum Premnitz bei dieser ganzen Entwicklung plötzlich so extrem im absoluten Rampenlicht steht.
00:01:12: Um diese Entwicklung für Sie greifbar zu machen, haben wir heute einen wirklichen Stapel an Material auf dem Tisch liegen.
00:01:20: Wir stützen uns in unserem heutigen Gespräch auf die Grundsatzdokumente der Bundesstiftung Baukultur.
00:01:28: Oh ja, das kann man so sagen.
00:01:30: Dann haben wir noch aktuelle Publikationen der Brandenburgischen Ingenieurskammer also kurz BBIK und auf die offiziellen Pläne des Ministeriums für Infrastruktur-und Landesplanung geschaut.
00:01:41: Da
00:01:41: kommt ja einiges zusammen
00:01:43: Genau.
00:01:43: aber das Spannende an all diesen Papieren ist dass sie eben keine reinen Theorie-Debatten führen.
00:01:49: Das ist nicht nur irgendwelches Papier das in der Schublade landet
00:01:52: sondern die
00:01:53: skizzieren einen extrem handfesten Fahrplan.
00:01:56: Also wie sich unser direkter Lebensraum hier in den nächsten zehn Jahren massiv verändern wird?
00:02:02: Dann lassen Sie uns doch mal ganz vorne anfangen, also beim Fundament sozusagen um einmal in der Bausprache zu bleiben.
00:02:08: Sehr passendes Bild ja!
00:02:09: Bevor
00:02:09: wir nämlich verstehen können was diese riesige Bauausstellung für Bremnitz bedeutet müssen wir mal diesen Überbegriff klären.
00:02:16: Also Baukultur wenn ich das so höre Dann denke ich, reflexartig sofort an Denkmalschutz.
00:02:23: Ah okay!
00:02:23: Ja
00:02:24: also an Leute mit weißen Handschuhen die so alte Stuckfassaden begutachten oder an Architekturhistoriker, die durch Museen laufen?
00:02:31: Ja.
00:02:31: aber wenn man sich jetzt unsere Quellen hier so ansieht dann merkt man ja total schnell dass es da eigentlich um etwas völlig anderes geht.
00:02:39: Ja dieser Reflex ist wirklich super weit verbreitet greift aber eben viel zu kurz in diesem Fall.
00:02:45: Wir müssen uns da kurz ansehen, warum es überhaupt eine offizielle Bundesstiftung Baukultur gibt.
00:02:51: Mhm, die sitzt ja in Potsdam richtig?
00:02:53: Genau!
00:02:53: Seit dem Jahr ist sie seit dem Jahr- und Jahrzehnten gegründet worden.
00:02:59: Ende der Neunzigerjahre herrschte in der deutschen Planungs- und Architekturszene nämlich eine enorme Frustration.
00:03:05: Warum
00:03:06: das?!
00:03:07: Naja man baute zwar unfassbar viel in der Zeit aber oft komplett ohne jegliche Vision für das Zusammenleben der Menschen.
00:03:15: Es gab da schlichtweg kein bundesweiten Dialog darüber, wie wir eigentlich bauen wollen.
00:03:20: Also man hat einfach nur Stumpfbebaubauungspläne abgearbeitet?
00:03:23: Exakt!
00:03:24: Ein reines Abarbeiten.
00:03:26: und das hat schließlich dazu geführt dass der Bundestag im Jahr zwei tausend sechs per Gesetz diese Stiftung ins Leben gerufen hat.
00:03:32: Das primäre Ziel ist dabei eben nicht einfach nur schöne Gebäude zu primieren oder so
00:03:38: sondern eher Prozesse zu steuern
00:03:41: Richtig Baukultur als wirklich messbaren gesellschaftlichen Wert im Alltag der Menschen zu verankern.
00:03:47: Es geht um den gesamten Entstehungszyklus unserer gebauten Umwelt, von der Planung über den Entwurf bis zur Bauausführung.
00:03:54: Wissen Sie ich habe da so eine Analogie im Kopf, als ich das gelesen habe.
00:03:58: Schießen
00:03:59: sie los!
00:04:00: Lassen Sie uns das mal so betrachten wenn unsere Städte und Dörfer ein Computer wären dann sind die Gebäude, die Straßen und auch die Brücken ja im Grunde nur die Hardware.
00:04:10: Aber die Baukultur, also die Art und Weise wie wir Bürger beteiligt werden.
00:04:14: Wie nachhaltig Materialien eigentlich genutzt werden?
00:04:17: Wie öffentliche Plätze gestaltet sind – das ist eigentlich das Betriebssystem.
00:04:22: Oh, das ist ein exzellenter Vergleich!
00:04:25: Das entscheidet dann ja am Ende darüber ob die Stadt reibungslos und nutzerfreundlich funktioniert oder ob sie sozusagen ständig abstürzt.
00:04:33: Wenn wir bei diesem Bild bleiben, dann kann man wirklich sagen Brandenburg schreibt gerade an einem massiven Software Update für dieses Betriebssystem.
00:04:41: Ein dringend nötiges Update oder?
00:04:42: Definitiv!
00:04:43: Das ist zwingend nöthig.
00:04:46: Die Stiftung veröffentlicht nämlich alle zwei Jahre einen sogenannten Baukulturbericht.
00:04:51: Ja dem habe ich auch hier liegen.
00:04:53: Genau und das ist eben kein Hochglanzmagazin für irgendwelche Kaffeetische im Wartezimmer sondern ein echtes politisches Werkzeug.
00:05:01: da fließen Daten aus hunderten Kommunen ein.
00:05:04: Und was steht da so drin?
00:05:06: Da wird dann zum Beispiel ganz konkret bemängelt, dass jahrelang komplett falsche Anreize gesetzt wurden.
00:05:12: Man hat das Bauen auf der grünen Wiese also das ständige Erschließen immer neuer Baugebiete am Stadtrand...
00:05:18: Die berühmten Einfamilienhäusiedlungen
00:05:21: Genau die!
00:05:22: Das hat man steuerlich und planerisch massiv belohnt.
00:05:26: Während die Sanierung von Ortskernen, also das Bauern im Bestand unglaublich kompliziert und teuer gemacht wurde.
00:05:32: Und da kommen wir an einen Punkt in unseren Unterlagen, der mir wirklich sofort ins Auge gesprungen ist.
00:05:38: Es gibt von dieser Stiftung nämlich einen ganz speziellen Aktionstag Den Tag der Umbaukultur am acht November
00:05:45: Ja ein sehr wichtiges Datum.
00:05:47: Da geht es ja explizit nicht darum wie wir toller neu bauen können sondern wie wir mit dem umgehen, was einfach schon da ist.
00:05:55: Dieser Fokus auf den Umbau – das ist eigentlich das absolute Kernthema unserer heutigen Zeit!
00:06:01: Wir sprechen hier über den Begriff der sogenannten grauen Energie.
00:06:04: Graue Energie?
00:06:05: Das ist so ein Modewort geworden.
00:06:07: aber was genau meint es in unserem Kontext?
00:06:11: Stellen Sie sich mal vor, sie sehen einen Gebäude aus den Siebzigerjahren vielleicht so'n richtiger Zwickbau aus Beton
00:06:17: Der Optisch jetzt wahrscheinlich keine Architekturpreise mehr gewinnt.
00:06:20: Richtig!
00:06:21: Der erste Impuls der meisten Leute ist dann oft, ach komm, abreißen neu machen Klar
00:06:26: weg mit dem hässlichen Ding.
00:06:28: Aber und das ist der springende Punkt in diesem Beton stecken unfassbare Mengen an Energie.
00:06:34: Der Sand dafür musste abgebaut werden, der Zement wurde bei extrem hohen Temperaturen gebrannt.
00:06:39: Ah verstehe...der Stahlbeschmolzen
00:06:41: Ganz genau Und alles musste ja auch noch auf die Baustelle transportiert werden.
00:06:46: Bei all diesen Prozessen wurden bereits riesige Mengen CO² freigesetzt.
00:06:50: Das heißt also, wenn ich dieses alte Gebäude jetzt einfach abreiße dann werfe ich diese ganze bereits investierte unsichtbare Energie einfach so auf den Müll?
00:07:01: Genau das passiert tagtäglich und dann setze ich beim Neubau direkt wieder neue gigantische Mengen an Emissionen frei.
00:07:09: Umbaukultur bedeutet also den Bestand endlich als eine wertvolle Ressource zu begreifen.
00:07:15: Wie kann man sich das praktisch vorstellen?
00:07:17: Na ja, man fragt sich wie können wir ein altes Fabrikgebäude oder so ein leeres Kaufhaus in der Innenstadt so umnutzen entkernen und neu aufteilen dass es unseren heutigen Standards entspricht.
00:07:30: Ohne dass direkt wieder die Baggerschauffel kommen muss
00:07:32: Genau.
00:07:33: Und das ist eben nicht nur eine ästhetische Frage, sondern schlichtweg eine Überlebensfrage für unsere Klimaziele!
00:07:40: Die Baubranche ist einer der größten Ressourcenverbraucher weltweit.
00:07:45: Wenn wir da das Betriebssystem und beide Analogie zu bleiben – nicht auf Umbau umprogrammieren?
00:07:51: Dann crasht das System auf Dauer komplett.
00:07:53: Exakt Besser hätte ich es nicht zusammenfassen können.
00:07:56: Okay, das leuchtet mir jetzt ein... Aber ich muss gestehen!
00:08:00: Ich tue mich trotzdem irgendwie schwer mit diesem ganzen Konzept von irgendwelchen Feiertagen oder Aktionstagen für so etwas Allgegenwärtiges.
00:08:08: Wie meinen Sie das genau?
00:08:10: Naja wir haben ja hier in Brandenburg den Tag der Baukultur.
00:08:13: Der steht am dreißigsten Mai-Zweitausendsechsundzwanzig wieder an.
00:08:16: und schauen sie mal Wir wohnen in Häusern, wir arbeiten in Büros, wir fahren jeden Tag über Straßen.
00:08:22: Baukultur umgibt uns doch sowieso vierundzwanzig Stunden am Tag.
00:08:27: Wozu brauche ich denn dann ein landesweites Event, um mir etwas anzugucken in dem ich eh schon mein ganzes Leben verbringe?
00:08:34: Das ist eine sehr berechtigte Frage.
00:08:37: aber die Antwort ist eigentlich recht simpel weil wir massiv betriebsblind geworden sind.
00:08:42: Betriebs
00:08:43: blind?
00:08:43: Ja
00:08:44: gerade weil uns Gebäude ständig umgeben nehmen wir sie gar nicht mehr bewusst wahr.
00:08:48: Sie verkommen für uns zu einer bloße Kulisse unseres Alltags.
00:08:53: Okay, man regt sich höchstens mal auf wenn was nicht klappt.
00:08:56: Genau wir ärgern uns vielleicht wenn eine Kreuzung unübersichtlich ist oder wenn ein Stadtplatz im Sommer viel zu heiß wird weil da einfach keine Bäume stehen.
00:09:05: aber wir hinterfragen fast nie die bewussten Entscheidungen die zu dieser Situation geführt haben
00:09:10: das stimmt allerdings.
00:09:11: und einen Format wie der Tag der Baukultur Das funktioniert im Grunde wie so ein greller Scheinwerfer auf dass eigentlich offensichtliche.
00:09:20: Also geht es da hauptsächlich darum, diese ganzen unsichtbaren Prozesse für uns Bürgermal sichtbar zu machen?
00:09:25: Das ist der Kern, ja.
00:09:26: Es geht vor allem darum die Türen zu räumen und zu öffnen, die uns sonst verschlossen sind und die Menschen endlich ins Gespräch zu bringen, ähm...die diese Räume gestalten.
00:09:37: Also
00:09:37: die Architekten und Ingenieure?
00:09:38: Richtig!
00:09:39: An diesem dreißigsten Mal öffnend eben landesweit richtig viele Projekte ihre Pforten.
00:09:44: Da können sie als Bürgerin oder Bürger einfach mal auf Baustellen gehen direkt mit den Ingenioren sprechen
00:09:49: ...und bei blöde Fragen stellen.
00:09:50: Genau, Sie können sehen wie Denkmalpflege eigentlich in der Praxis funktioniert oder wie so ein ganzes Quartier klimaresilient umgebaut wird.
00:09:59: Wenn man einmal verstanden hat warum eine Fassade genau so konstruiert ist, um im Sommer die Wärme abzuweisen dann geht man danach mit völlig anderen Augen durch seine eigene Straße.
00:10:10: Und hier liebe Zuhörer, hier schließt sich jetzt der Kreis zu unserer eigenen Stadt
00:10:14: Allerdings?
00:10:15: Dieser landesweite Aktionstag findet nämlich seinen wohl spannendsten Ausdruck dieses Jahr genau hier in Premnitz.
00:10:21: Ja, das ist wirklich bemerkenswert!
00:10:22: Denn
00:10:23: hier bei uns laufen im Hintergrund ja bereits die ganzen Vorbereitungen für ein echtes Mammutprojekt – Die Internationale Bauausstellung kurz IBA – Im Jahr zwei Tausend vierundzwanzig.
00:10:33: Ein riesiges Vorhaben.
00:10:34: Aber
00:10:34: bevor wir uns jetzt im Detail anschauen was da am dreißigsten Mai genau in Prämnitz passiert müssen wir glaube ich diesen Begriff IBA kurz noch mal einordnen.
00:10:43: Das
00:10:44: ist ja keine Messe, wo man mal eben für ein Wochenende so ein paar Zelte aufstellt und drei Bagger präsentiert.
00:10:51: Oder?
00:10:52: Nein überhaupt nicht!
00:10:53: Eine internationale Bauausstellung ist eigentlich ein absolutes Ausnahmeinstrument in der ganzen Stadt-und Regionalplanung.
00:11:01: Inwiefern?
00:11:03: Naja wenn Region eine IBA ausruft dann bedeutet das meistens dass sie vor einem massiven Strukturwandel steht Und sie verwandelt sich dann quasi für zehn Jahre in ein komplett offenes Real-Labor.
00:11:16: Zehn Jahre,
00:11:17: wow!
00:11:18: Ja das ist langfristig angelegt und historisch gesehen haben diese Ibers immer ganze Landschaften nachhaltig geprägt.
00:11:25: Denken Sie zum Beispiel mal an die Iber Imcher Park.
00:11:28: Oh ja im Ruhrgebiet richtig Das war in den neunziger Jahren
00:11:32: Genau, da hat man diese ganzen alten rostigen Gasometer und die stillgelegten Kohlezechen eben nicht einfach platt gemacht.
00:11:40: Sondern man hat sie umgebaut?
00:11:41: Richtig!
00:11:42: Man hat sie in riesige Ausstellungshallen verwandelt – in Tauchzentren und unglaubliche Landschaftsparks.
00:11:49: Das hat damals die Identität einer kompletten Region völlig neu definiert.
00:11:54: Und genau diesen Anspruch hat das Land Brandenburg jetzt auch für im Jahr- und Zwanzig.
00:11:59: Exakt!
00:12:00: Was ich ja beim Lesen der Dokumente extrem interessant fand, ist die Haltung, die dahinter steht.
00:12:05: Da wird in den Texten nämlich ganz stark von Emanzipation gesprochen...
00:12:08: ein sehr starkes Wort in dem Kontext.
00:12:10: Finde ich auch!
00:12:11: Die Initiative, die die Themen für diese IBA vorbereitet legt wohl enormen Wert darauf dass Brandenburg nicht länger nur aus der Perspektive von Berlin gedacht wird.
00:12:20: Und das ist wirklich ein enormer Paradigmenwechsel den wir da erleben.
00:12:24: Jahrzehntelang war die planerische Logik hier in der Region ja nun ja sehr simpel
00:12:30: Berlin in der Mitte und wir außen rum.
00:12:32: Genau Berlin is dieses Hyperaktive Dichte Zentrum.
00:12:36: Und Brandenburg ist der grüne Speckgörte, die Schlafstadt für die Pendler, der Erholungsraum fürs Wochenende
00:12:44: oder eben der Ort wo man die ganzen Logistikzentren und Windräder hinklatscht, die in der großen Metropole einfach keinen Platz haben.
00:12:52: Ganz genau so!
00:12:53: Und die Ebay-Karriere im Jahr den Spieß jetzt komplett umdreht.
00:12:58: Weg vom Speckgürtel-Image.
00:12:59: Richtig!
00:13:00: Brandenburg sollen als ein wirklich eigenständiger, selbstbewusster Lebensraum entwickelt werden.
00:13:06: Die zentrale Frage lautet dabei wie sieht ein Obanes Leben außerhalb der Großstadt aus das völlig eigene Qualitäten bietet?
00:13:14: In diesem Zusammenhang taucht in den Konzeptpapieren immer wieder so einen Begriff auf über den bin ich beim Lesen richtig gestolpert.
00:13:21: Welcher war das?
00:13:21: Hetero-Trope.
00:13:23: Das klingt... Das klingt für mich wie so ein Fachbegriff aus dem Biologieunterricht.
00:13:28: Ja,
00:13:28: das klingt anspruchsvoll!
00:13:30: Können Sie mir das mal bitte so erklären als wäre ich fünf Jahre alt?
00:13:36: Also wenn ich hier in Bremenitz durch die Straßen laufe was genau ist denn dann ein Heterotob?
00:13:42: Der Begriff stammt eigentlich ursprünglich aus der Philosophie von Michael Foucault und es bedeutet wörtlich übersetzt zu viel wie
00:13:52: Orte des anderen.
00:13:55: In der Architektur und Stadtplanung nutzen wir diesen Begriff für Orte, die nach völlig eigenen Regeln funktionieren.
00:14:02: Also abseits dieser ganz normalen durchgeplanten Alltagsrealität.
00:14:07: Das ist noch ein bisschen abstrakt.
00:14:09: Wenn wir das jetzt mal ganz konkret auf Premnitz herunterbrechen Ein klassisches Bauprojekt wäre es eine alte Fabrikbrache einfach platt zu machen
00:14:17: Und dann da neu zu bauen
00:14:18: Genau!
00:14:19: Und da dann exakt dieselben Reihenhäuser hochzuziehen Die man heute überall in ganz Deutschland findet.
00:14:24: Ja, der Klassiker
00:14:25: halt.
00:14:26: Ein Heterotop hingegen wäre es diese Brache zu nehmen und dort bewusst etwas zu schaffen was der Logik des normalen Immobilienmarktes komplett widerspricht.
00:14:37: Haben Sie da vielleicht ein noch greifbareres Beispiel?
00:14:40: Ja Stellen sie sich mal vor man lässt die Grundstrukturen von so einer alten Industriehalle einfach stehen.
00:14:46: Okay Die Stahlträger und so bleiben
00:14:48: Genau.
00:14:49: Und dann baut man in das Erdgeschoss offene Werkstätten ein für lokales Handwerk und vielleicht Start-ups.
00:14:56: Das alte Dach wird zu einem öffentlichen Garten für die ganze Nachbarschaft kombiniert mit Solaranlagen, die den Strom direkt wieder für die Werkstädten unten liefern.
00:15:06: Und dazwischen entstehen noch kleine ganz flexible Wohnmodule.
00:15:11: Also ein völliger Mix.
00:15:12: Exakt!
00:15:13: Es ist eben weder ein reines Gewerbegebiet, noch ein reines Wohngebiet und auch kein normaler Park.
00:15:20: Es ist ein Ort der sich diesen ganzen üblichen Schubladen- und Kategorien einfach entzieht.
00:15:26: Ein Ort des anderen eben!
00:15:28: Richtig – Und die IBA sagt jetzt genau diese Orte, diese wilden Experimentierfelder, die brauchen wir hier in der Provinz.
00:15:36: Weil
00:15:37: in Berlin dafür gar keinen Platz mehr is'.
00:15:39: Richtig Sie sind die eigentliche Innovationslabore.
00:15:43: Berlin ist einfach viel zu voll, viel zu teuer und vor allem viel zu reguliert für solche radikalen Experimente.
00:15:49: Das heißt der Raum für Neues liegt jetzt in Städten wie Bremnitz?
00:15:55: Ganz genau!
00:15:55: Das heißt ja im Grunde die Provinz wird zur Avangarde.
00:16:00: das finde ich ein wirklich grandiosen Gedanken.
00:16:02: aber wie wird das jetzt für mich als Bürger ganz konkret erlebbar?
00:16:06: Da kommt jetzt der dreißigste Mai ins Spiel.
00:16:08: Genau, am Tag der Baukultur – am Dreißigsten Mai-Zweitausendsechsundzwanzig!
00:16:13: Da gibt es hier in Premnitz ja ein extrem dichtes Programm.
00:16:17: Unsere Quellen zeigen da nicht einfach nur so eine langweilige Liste von irgendwelchen Vorträgen.
00:16:21: Nein überhaupt
00:16:22: nicht!
00:16:22: Das Ganze ist ja viel mehr als eine Art physische Reise durch die Stadt angelegt oder?
00:16:27: Diese Routenplanung ist extrem bewusst so gewählt worden.
00:16:31: Man setzt die Leute da nicht einfach in irgendeinen sterilen Konferenzsaal, wo einer vorne was vom Pferd erzählt, sondern man erläuft sich die Geschichte und vor allem die Zukunft der Stadt physisch!
00:16:41: Das Programm beginnt zum Beispiel um elf Uhr direkt an der Aussichtsplattform an der Havel in der Altenhauptstraße.
00:16:47: Warum gerade da?
00:16:48: Man startet ganz gezielt an der Bruchkante zwischen dem reinen Naturraum und der bebauten Stadt – also direkt am Wasser.
00:16:56: historische Ursprung vieler Siedlungen hier.
00:16:59: Die absolute Lebensader unserer
00:17:00: Region.".
00:17:01: Und von der Havel aus bewegt sich diese ganze Gruppe dann weiter in den Ort hinein, um zwölf Uhr steht dann nämlich die alte Stadtbibliothek auf dem Plan – in der Ernst-Hellmannstraße thirty-four.
00:17:12: Ja eine sehr spannende Station!
00:17:14: Dort gibt es dann eine Ausstellung und das finde ich persönlich ja extrem symbolisch.
00:17:20: Eine Bibliotheke ist ja traditionell der Ort an dem eigentlich das Wissen der Vergangenheit gespeichert wird ne?
00:17:26: Und jetzt nutzt man genau dieses alte Gebäude, um die Konzepte für die Zukunft nämlich die ersten Ideen für die IBA-Vierunddreißig auszustellen und zu diskutieren.
00:17:35: Das ist angewandte Umbaukulturpaar Exzellenz – genau wie wir sie vorhin besprochen haben!
00:17:40: Man haucht dem Ort neues Leben
00:17:41: ein….
00:17:42: Ja, man lädt einen bestehenden historisch gewachsenen Ort einfach mit einer völlig neuen Funktion auf ….
00:17:49: und dieser rote Faden zieht sich dann weiter bis zum inhaltlichen Höhepunkt des Tages um dreizehn Uhr.
00:17:54: Da geht es dann in die Fabrikenstraße.
00:17:56: Elf, richtig.
00:17:57: Genau ins ehemalige Direktorenverwaltungshaus!
00:18:01: Ein Gebäude das ja wirklich aus jeder einzelnen Pore Industriegeschichte atmet.
00:18:07: Dort wo früher wirklich die industrielle Produktion unserer Region verwaltet und gesteuert wurde Wo buchstäblich die Schornsteine der Vergangenheit geraucht haben genau dort diskutiert man nun über die Transformation.
00:18:21: ein toller Kontrast.
00:18:22: Dort wird dann genau dieses Konzept der Heterotope in Brandenburg beleuchtet.
00:18:28: tiefe Einblicke wie Stadt, Land und Landschaft künftig völlig neu miteinander verwoben werden sollen.
00:18:34: Und das eben nicht in einem modernen Konferenz-Hotel?
00:18:37: Eben nicht!
00:18:38: Es ist zwar ein intellektueller Diskurs aber er findet eben nicht im Elfenbeinturm statt sondern ganz buchstäblich auf dem alten Dielenboden der industriellen Realität von Premnitz.
00:18:49: Das erzeugt wahrscheinlich eine völlig andere Dringlichkeit oder?
00:18:52: Absolut – eine unglaubliche Dringigkeit.
00:18:55: Bodenhaftung, das macht die Theorie plötzlich sehr greifbar.
00:18:59: Wenn man all diese Quellen jetzt mal zusammennimmt also vom ganz großen Bundesgesetz zur Baukultur über diese landesweiten Aktionstage bis hinunter auf diesen alten Dielenboden in der Fabrikenstraße hier bei uns in Premnitz dann merkt man eigentlich erst was für eine gewaltige Maschinerie da gerade anläuft.
00:19:18: Das ist ein enormer Apparat, der deinen Bewegung gesetzt wurde.
00:19:21: Das ist eben kein Nischen-Thema für so'n paar versprengte Architekten!
00:19:25: Das betrifft ganz konkret die Frage wie heiß unsere Marktplätze im Sommer werden?
00:19:31: Ob wir noch bezahlbaren Raum für unser Handwerk haben und ob wir unsere Geschichte in Zukunft einfach stumpf abreißen
00:19:38: oder ob wir klug auf ihr aufbauen – ganz genau
00:19:41: ja.
00:19:41: Und genau deshalb ist es auch so essentiell, dass dieses gesellschaftliche Betriebssystem eben nicht nur von irgendwelchen Experten in den Hinterzimmern programmiert wird.
00:19:50: Sondern von uns allen?
00:19:51: Eine internationale Baurausstellung kann wirklich nur dann erfolgreich sein wenn sie von den Menschen vor Ort getragen verstanden und ja vielleicht auch mal kritisch hinterfragt wird.
00:20:01: Das gehört dazu.
00:20:02: Der dreißigste Mai ist eine offene Einladung an alle Bürger genau das zu tun.
00:20:07: Wer da nicht hingeht, der überlässt die Gestaltung seines eigenen Lebensumfelds einfach komplett
00:20:11: anderen!
00:20:12: Das ist mein Stichwort und mein ganz klarer Aufruf an Sie liebe Hörnerinnen und Hörer.
00:20:18: Nutzen sie diese Gelegenheit.
00:20:20: kommen Sie am Samstag den Dreißigsten Mai, Zwei-Tausendsechsundzwanzig nach Bremenitz.
00:20:25: Es lohnt sich wirklich.
00:20:26: Nehmen Sie an diesem Rundgang teil.
00:20:28: Erleben Sie selbst wie an der Havel, in der alten Bibliothek und dem Direktorenhaus die Blaupausen für unser Jahr zwei Tausend vierhunddreißig gezeichnet werden.
00:20:38: Es passiert wirklich direkt vor Ihrer Tür!
00:20:41: Seien sie also nicht nur Passagier in Ihre eigenen Stadt sondern greifen Sie selbst mit ins Lenkrad.
00:20:47: Und damit Sie jetzt nicht mühsam nach Zetteln und Stiften suchen müssen um sich das alles zu notieren wir haben Ihnen das natürlich alles perfekt aufbereitet.
00:20:54: Genau ein Blick ins Netz reicht.
00:20:57: Schauen Sie einfach in die Show-Notes unter dieser Folge.
00:20:59: Dort finden sie alle exakten Uhrzeiten, die genauen Adressen der einzelnen Station im Premnitz und natürlich auch den Link über den Sie sich offiziell für diese Teillage anmelden können.
00:21:10: Und noch eine ganz kleine Bitte von meiner Seite Wenn Ihnen dieses Gespräch heute geholfen hat Das komplexe Thema Baukultur und die Zukunft von Premnic ein bisschen klarer zu sehen Dann
00:21:21: behalten Sie dieses Wissen bitte nicht für sich.
00:21:24: Genau Empfehlen Sie unseren Podcast weiter.
00:21:27: Schicken Sie den Link in Ihrer WhatsApp-Gruppe, an Ihre Nachbarn und Freunde oder Arbeitskollegen.
00:21:32: Je mehr Menschen verstehen was hier gerade passiert dass du lebendiger wird.
00:21:36: die Debatte in unserer ganzen Region Zum
00:21:38: Abschluss unseres heutigen Themas.
00:21:41: haben sie da vielleicht noch einen Gedanken für uns den wir so mit in den Tag nehmen können?
00:21:44: Ja ich möchte Ihnen noch ein kleines Gedankenexperiment mit auf den Weg geben.
00:21:49: Wir haben jetzt fast eine halbe Stunde über große Konzepte, über graue Energie und über das Land Brandenburg gesprochen.
00:21:56: Aber brechen Sie das heute Nachmittag beim Spaziergehen mal auf Ihren eigenen Mikrokosmos herunter?
00:22:01: Wie meinen sie das?
00:22:02: Wenn Sie das nächste Mal durch Ihre eigene Straße spazieren stellen Sie sich einfach mal zwei Fragen!
00:22:08: Erstens Welches Gebäude in Ihrer direkten Umgebung?
00:22:12: würden Sie wenn Sie einen Zauberstab hätten sofort
00:22:15: abreißen?!
00:22:16: Und warum?
00:22:17: Oder fallen mir direkt zwei ein?
00:22:19: Sehen Sie.
00:22:20: Und die zweite Frage, welches Gebäude egal wie alt oder unscheinbar es von außen wirken mag würden sie unter allen Umständen für die nächste Generation bewahren wollen?
00:22:31: Das ist eine super Frage!
00:22:32: Wenn Sie die Antworten auf diese beiden Fragen für sich gefunden haben dann haben Sie im Grunde Ihren allerersten ganz persönlichen Baukulturbericht verfasst.
00:22:42: Ein richtig starker Gedanke zu mitnehmen Und damit sind wir auch schon wieder am Ende unseres Podcasts.
00:22:47: Hören Sie in vierzehn Tagen gerne wieder rein!
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