#018 Wohnen mit Zukunft – Die WBG Premnitz gestaltet Stadt

Shownotes

Wohnen ist eine der entscheidenden Zukunftsfragen für Premnitz.

In dieser Folge von nextPremnitz34 sprechen wir über die Wohnungsbaugenossenschaft Premnitz eG und darüber, wie sich ein traditionsreiches Wohnungsunternehmen auf demografischen Wandel, Klimaschutz und neue Wohnbedürfnisse einstellt.

Wir sprechen über:

  • die Geschichte der Genossenschaft seit ihrer Gründung 1954
  • den demografischen Wandel und die Frage, wie Premnitz wieder mehr junge Menschen und Familien gewinnen kann
  • das Junge Stadtquartier als neues Wohnangebot
  • Ideen für studentische Wohngemeinschaften und neue Zielgruppen
  • energetische Sanierungen im Wohnungsbestand
  • den weiteren Ausbau und die Nutzung von Fernwärme
  • soziale Verantwortung und Serviceangebote für die Bewohner
  • den Masterplan „Neue Mitte Premnitz“ und die Rolle des Wohnens bei der zukünftigen Entwicklung des Stadtzentrums
  • die Perspektive einer IBA 2034 als Impuls für Premnitz
  • die Frage, wie bezahlbares, zeitgemäßes und nachhaltiges Wohnen miteinander verbunden werden kann

Die Folge zeigt, dass eine Wohnungsbaugenossenschaft weit mehr sein kann als ein Vermieter. Sie kann zum aktiven Stadtgestalter werden – und dazu beitragen, dass aus neuen Wohnungen auch neue Perspektiven für Premnitz entstehen.

Mehr Infos auch unter: https://www.wbg-premnitz.de https://www.wbg-premnitz.de/masterplan-fuer-premnitz-neue-mitte-vorgestellt/ https://welten-verbinden.com/was/masterplan-entwicklung/premnitz/

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Redaktion: Christopher Weiß, in Zusammenarbeit mit NotebookLM Produktion: STRÖM New Audio Culture, www.stroem.media

Transkript anzeigen

00:00:00: Herzlich Willkommen zu einer weiteren Folge unseres neuen Podcasts Next Premnitz, thirty-four ihr Podcast aus und über Premnits.

00:00:09: Stellen Sie sich meine Stadt vor eine Stadt in der die Bevölkerung im Durchschnitt ja über fünfzig Jahre alt ist und in der jedes Jahr auch deutlich mehr Menschen sterben als geboren werden.

00:00:20: also auf dem Papier ist das eigentlich das klassische Rezept für so ne langsam aussterbende Geisterstadt?

00:00:27: Ja, absolut.

00:00:28: Aber jetzt kommt halt der Twist!

00:00:29: Genau diese Stadt verzeichnet plötzlich ein massiven Zuzug.

00:00:33: Richtig Und zwar von jungen Familien.

00:00:36: und wie kann das funktionieren?

00:00:38: Genau das ist unsere heutige Mission.

00:00:40: Wir haben einen riesigen Stapel an Dokumenten demografischen Analysen und Masterplänen ausgewertet.

00:00:46: um die Frage zu beantworten Wer wohnt eigentlich im Jahr?

00:00:52: Diese demografische Diskrepanz, die ist einfach wahnsinnig faszinierend weil sie uns eben zwingt mal über diesen Tellerrand der reinen Statistik hinauszuschauen.

00:01:04: Wir analysieren hier nämlich nicht einfach nur ein paar Bauprojekte sondern wir beobachten im Grunde den genetischen Kot einer Kommune und er wird gerade live umgeschrieben.

00:01:14: Ja das wie so'n Labor.

00:01:16: Exakt!

00:01:16: Prämnitz dient hier sozusagen als Reagenzglas für eine Herausforderung vor der hunderte europäische Kommunen, also wirklich in ganz Europa.

00:01:25: In den nächsten Jahren stehen werden.

00:01:27: und um zu verstehen wie diese Transformation abläuft hatten wir exklusiven Zugang zu den Strategie-Papieren und auch den Masterplänen der Wohnungsbaugenossenschaft Prämnetz EG

00:01:38: kurz

00:01:39: WBG.

00:01:43: Aus Gründen der absoluten Transparenz möchte ich da direkt vorwegnehmen.

00:01:46: Die WBG ist nicht nur der zentrale Stadt-Entwicklungsakteur in unseren heutigen Quellen, sondern stellt als Sponsor auch freundlicherweise die Mittel für unsere heutige Analyse zur Verfügung.

00:01:56: Was natürlich super ist für unsere Recherche?

00:01:59: Absolut!

00:02:00: Wir betrachten ihre Pläne heute allerdings trotzdem mit der nötigen analytischen Distanz.

00:02:05: Denn also die Ambitionen sind wirklich gewaltig und die Fallhöhe dementsprechend hoch.

00:02:11: Ja, und wenn wir diese Ambitionen für das Jahr- und-Dreißig überhaupt bewerten wollen, dann müssen wir natürlich zuerst die harte demografische Realität der Gegenwart verstehen.

00:02:21: Okay!

00:02:21: Lass uns das mal aufdröseln.

00:02:23: Also... Die nackten Zahlen aus dem Jahr-Zwei-Tausend-Dreiundzwanzig zeichnen ein sehr paradoxes Bild.

00:02:30: Das Durchschnittsalter in Premnitz liegt bei Einenundfünfzig Komma Null Jahren.

00:02:34: Einenunfünfzig?

00:02:35: Genau, Einen und Fünfzig.

00:02:37: Und wenn man das mal mit dem direkten Umland vergleicht, dann fällt extrem auf.

00:02:41: Also Rathnau liegt bei ... Brandenburg an der Havelball ... Prämnitz ist also signifikant älter.

00:02:50: Krass!

00:02:51: Ja und dazu kommt da noch dieser natürliche Bevölkerungsschwund.

00:02:54: Der liegt bei minus...

00:02:59: Die Stadt überaltert strukturell.

00:03:01: Das ist sozusagen Der eine

00:03:03: Pol.

00:03:03: Richtig!

00:03:04: Aber in unseren Unterlagen, da steht halt auch ein positiver Wanderungssaldo von plus neun Komma fünf pro eintausend Einwohner.

00:03:11: Ja und das ist der entscheidende Punkt.

00:03:13: Und das Verrückte daran is ja dieser Zuzug.

00:03:16: der wird eben nicht von Rentnern getrieben sondern von Familien.

00:03:19: Genau.

00:03:20: Da sehen wir nämlich einen Wert von plus siebzehn Komma Fünf.

00:03:23: aber wenn ich jetzt in die Zensus Daten schaue Dann sehe ich da gleichzeitig eine Leerstandsquote im Premenitz von sieben Komma drei Prozent.

00:03:32: Das ergibt für mich auf den ersten Blick irgendwie gar keinen Sinn.

00:03:36: Also wenn so viele Familien kommen, warum stehen dann über sieben Prozent der Wohnungen leer?

00:03:41: Ja das klingt erstmal unlogisch!

00:03:43: Für mich ist es so als hätte man einen riesigen Kleiderschrank, der ist komplett voll mit Anzügen aber man braucht eigentlich dringend Winterjaggen.

00:03:52: Das ist ein extrem gutes Bild.

00:03:54: ja wir haben hier nämlich einen ganz klassischen strukturellen Mangel aber eben innerhalb eines vermeintlichen Überflusses.

00:04:01: Verstehe

00:04:02: Leerstand bedeutet halt nicht, dass der richtige Wohnraum verfügbar

00:04:06: ist.

00:04:06: Ah okay!

00:04:07: Diese sieben Komma drei Prozent die bestehen zu einem richtig großen Teil aus ein oder zwei Zimmerwohnungen und die sind oft unsaniert oder in älteren Beständen.

00:04:16: Und da zieht natürlich keine Familie ein Eben.

00:04:20: Stell dir vor eine vierköpfige Familie aus Berlin oder Potsdam.

00:04:24: Die ziehen wegen der Natur und der Ruhe nach Bremnitz.

00:04:36: Und

00:04:39: um zu verstehen, warum dieser Kleiderschrank voller falscher Größen hängt müssen wir uns vielleicht mal kurz ansehen wie dieser Bestand überhaupt entstanden ist.

00:04:48: Die Historie

00:04:49: der WBG liefert uns da quasi die Blaupause.

00:04:52: also gegründet Am zwanzigsten August nineteenhundertvierundfünfzig, damals als Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft für das Kunstseidenwerk Friedrich Engels.

00:05:01: Oh ja die fünftiger Jahre!

00:05:03: Da herrschte ja absolute Wohnungsnot.

00:05:05: In den Quellen steht da kamen Arbeiter nach ihren harten Schichten zusammen und haben buchstäblich also mit Aufbaustunden die ersten Rheinhausblöcke selbst gemauert.

00:05:15: Und dass muss man sich mal klar machen.

00:05:17: Die Priorität damals pure Quantität.

00:05:22: Die brauchten einfach dringend ein Dach über dem Kopf für die ganzen Arbeiter des Werks?

00:05:27: Wahnsinn!

00:05:27: Und der qualitative Standard von ... ... der war ja in völlig anderer, also eine Intolität.

00:05:34: das war damals der absolute Inbegriff von Luxus.

00:05:36: Wenn man vom Plummskloß auf den Hof kommt, klar.

00:05:38: Genau im Vergleich zu den alten Barracken.

00:05:41: und die Genossenschaft, die wuchs dann Synchron mit diesem Kunstseidenwerk bis sie in den Achtzigern Rund ein Drittel aller Wohnungen in Premnitz stellte.

00:05:50: Wow, ein Drittel?

00:05:51: Ja!

00:05:52: Die komplette Infrastruktur war exakt auf diese arbeitende wachsende Industriestadt zugeschnitten.

00:05:58: Und dann kamen wir in den Jahr

00:05:59: und dann kollabierte mit der Wände das gesamte System.

00:06:02: Das war ein brutaler demografischer Schock.

00:06:06: die Quellen zeigen da ja ganz klar dass die Stadt plötzlich um ein drittel ihrer Einwohner schrumpfte.

00:06:12: Ein Drittel.

00:06:14: Stell dir das mal wirtschaftlich vor, wenn einer Genossenschaft über Nacht ein Drittel der Zahlen in Mitglieder wegbricht.

00:06:21: Das ist eigentlich der absolut sichere Weg in die Insolvenz!

00:06:24: Wie haben sie das dann überlebt?

00:06:26: Die wirtschaftliche Überlebensstrategie hieß damals Rückbau und Kernsanierung.

00:06:31: Man muss sich das technisch wirklich so vorstellen.

00:06:33: anstatt jetzt ganze Viertel verfallen zu lassen wurden bei den Plattenbauten teilweise einfach die oberen Italien abgetragen

00:06:41: Einfach weggenommen.

00:06:42: Genau, die wurden zurückgebaut.

00:06:44: und aus diesen unbeliebten sechs Geschossern da wurden plötzlich wesentlich attraktivere drei oder vier Geschosse.

00:06:50: Clever!

00:06:51: Und parallel wurde dann massiv in die verbleibende Substanz investiert.

00:06:56: ein echtes Lehrstück dafür ist der sogenannte westdeutsche Block in der Erich-Weinertstraße.

00:07:01: Ja den habe ich in den Akten gesehen.

00:07:02: Da hat man ja nicht einfach nur so'n bisschen frische Farbe an die Wand geworfen.

00:07:07: Ne, absolut nicht!

00:07:08: Die haben die komplette Wohnlogik verändert.

00:07:11: Da wurden zum Beispiel barrierearme Aufzüge von außen an die Gebäude gesetzt Man hat Grundrisse zusammen gelegt und riesige Vorstellbalkonung montiert.

00:07:21: Das ist

00:07:23: ein extrem teurer Prozess Aber es war eben der entscheidende strategische Wechsel.

00:07:29: Weg von Quantität hin zu Qualität!

00:07:32: Man hat den Bestand einfach an eine älter werdender, aber eben auch anspruchsvollere Bewohnerschaft angepasst.

00:07:38: Okay das ist ein enorm wichtiger Punkt für unsere Analyse heute.

00:07:42: Also Bremnitz hat in seiner DNA quasi bereits verankert, dass es so massive demografische und auch wirtschaftliche Krisen nicht nur aussitzen sondern ja durch richtig radikale bauliche Eingriffe überleben kann.

00:07:56: Genau das ist die Stärke!

00:07:57: Die Stadt weiß wie man sich heutet.

00:07:59: Womit wer eigentlich bei der Frage wären?

00:08:02: Wie schneidert man denn nun die passenden Winterjagden für die neuen Bewohner von heute und vor allem dann von hier wird es wirklich interessant sehr Wenn wir uns mal das junge Stadtquartier der WBG ansehen, da sprechen wir nämlich nicht mehr von mehrgeschossigen Blöcken.

00:08:18: Die bauen da sechzehn mietbare Doppelhäuser...

00:08:20: ...und ein freistehendes Einfamilienhaus!

00:08:23: Richtig ja und jedes davon mit hundertzwanzig Quadratmetern Wohnfläche auf Grundstücken von sechshundert Quadratmeter.

00:08:30: Und das ist der direkte Gegenentwurf zu diesem klassischen Genossenschaftsgedanken der fünftiger Jahre?

00:08:36: Absolut.

00:08:37: Man hat hier ganz klar erkannt, dass junge Familien – also jetzt im Jahr ... oder eben ... eine völlig andere Vorstellung von Eigentum und Flexibilität haben.

00:08:49: Viele wollen oder können sich ja dieses klassische Eigenheim bei den aktuellen Bauzinsen überhaupt nicht mehr leisten.

00:08:59: Aber sie wollen trotzdem nicht um klassischen Geschosswohnungsbau leben!

00:09:03: Und ein gemietetes Doppelhaus mit Garten Das schließt genau diese Lücke.

00:09:08: Es bindet also diese einkommensstarken Familien an die Stadt

00:09:11: Genau, ohne ihnen jetzt dieses massive finanzielle Risiko von so einem Hauskauf aufzubürden.

00:09:17: Aber weißt du?

00:09:18: Familien anzuziehen ist ja nur das eine.

00:09:20: Ein Blick in diese Demografiedaten zeigt auch was anderes.

00:09:23: Die Gruppe der achtzehn bis zwanzigjährigen blutet richtiggehend aus Ja...

00:09:29: dass es leider war.

00:09:30: Also junge Menschen verlassen die Stadt für Ausbildung und Studium.

00:09:34: Die Bildungswanderung liegt bei minus Null Komma Sieben.

00:09:38: Und da bin ich beim Lesen dieser Strategie Papiere über ein Projekt gestoßen, bei dem ich jetzt wirklich mal kritisch nachhaken muss.

00:09:45: Okay, schieß los!

00:09:46: Also die WBG plant ein neues Konzept für studentisches Wohnen mit einer warmen inklusiv Miete von elf Euro pro Quadratmeter.

00:09:55: das ist preislich natürlich absolut unschlagbar für Studenten

00:09:58: definitiv.

00:09:59: Aber in den Unterlagen steht, dass dieses Projekt anfangs gerade mal drei Wohnungen mit insgesamt fünf Plätzen umfasst.

00:10:05: Fünf!

00:10:06: Ja, fünf Platze?

00:10:08: Wie soll denn das die Demografie einer ganzen Kommune retten?

00:10:10: Also ist es nicht eher so ein... naja, so'n Placebo-Projekt für die Lokalpresse?

00:10:15: Also das Faszinierende hierbei ist wenn man nur diese Zahl fünf sieht dann wirkt das natürlich total mikroskopisch.

00:10:22: Schon ja.

00:10:22: Aber aus stadtplanerischer Sicht ist das ein sogenanntes Minimum Viable Product Also ein minimal funktionsfähiger Prototyp.

00:10:33: Guck mal, die technische Hochschule Brandenburg ist nicht weit weg!

00:10:37: Aber Bremnitz war bisher auf der mentalen Landkarte von Studenten einfach schlicht nicht existent.

00:10:44: Okay das stimmt natürlich.

00:10:45: Wenn du jetzt als Genossenschaft sofort ein riesiges Wohnheim für hundert Studenten baust dann trägst Du ja ein gigantisches Investitionsrisiko

00:10:53: Weil Du gar nicht weißt ob die überhaupt kommen?

00:10:55: Ganz genau Was wenn denen die Bahnverbindung zu lästig ist?

00:10:59: Oder was, wenn das ganze soziale Umfeld einfach fehlt.

00:11:02: Ah, ich verstehe!

00:11:03: Diese fünf Studenten sind im Grunde also die Better-Tester für die Infrastruktur.

00:11:08: Ganz genau so ist es – man testet hier unter realen Bedingungen.

00:11:11: Also wie wird diese Inklusivmiete angenommen wo ja WLAN und Möbel schon drin sind?

00:11:17: Und wie interagieren die Studierenden eigentlich mit dieser doch deutlich älteren Nachbarschaft Sobald dieses Konzept, der all-inclusive WG in Premnitz nachweislich funktioniert und so die ersten Kinderkrankheiten beseitigt sind.

00:11:34: Ja dann lässt sich das skalieren!

00:11:39: Wobei

00:11:40: Wohnraum allein egal ob jetzt für Familien oder Studenten Der reicht ja nicht aus, wenn die Nebenkosten in Zukunft komplett explodieren.

00:11:48: Oh ja das ist ein riesiges Thema!

00:11:50: Und da taucht in den Quellen dann dieses Fernwärmeprojekt auf.

00:11:54: Also bis zum Jahr- und Jahrzehnt soll über vierhundertsechzig Wohneinheiten an das Fernwärtnetz angeschlossen werden.

00:12:01: Richtig davon rund dreihundert neunundvierzig im alten Zentrum und nochmal hundertzwanzig am Dachsberg.

00:12:08: Das ist ja echt ein massiver infrastruktureller

00:12:10: Eingriff.

00:12:12: Warum setzt man hier jetzt so stark auf Fernwärme anstatt einfach in jedes Haus einzeln, keine Ahnung, Wärmepumpen zu bauen?

00:12:19: Der Flüssevier heißt Skaleneffekte und Netzstabilität.

00:12:24: Individuelle Wärmapumpen – gerade in solchen Altbauten aus den Fünfzigern und Sechzigern – die erfordern oft eine extrem aufwendige Isolierung …

00:12:32: Und Fußbodenheizungen wahrscheinlich!

00:12:34: Genau um überhaupt irgendwie effizient zu arbeiten….

00:12:37: Ein lokales Fernwärmenetz dagegen, das idealerweise noch durch industrielle Abwärme oder eben erneuerbare Großanlagen gespeist wird.

00:12:45: Das nimmt dem einzelnen Gebäude dieses Problem komplett ab und für die Mieter bedeutet es vor allem eins – und zwar Preis-Sicherheit!

00:12:54: Wenn die Heizkosten in einer demografisch so gemischten Stadt unberechenbar werden, dann verlierst du sowohl die Rentner als auch die jungen Familien.

00:13:03: Die Fernwärme ist also eigentlich, man könnte sagen ein sozialpolitisches Instrument nur eben getarnt als Rohrleitung.

00:13:10: Das leuchtet absolut ein.

00:13:11: aber all diese Projekte die Doppelhäuser, die Studenten-WGs dieser Heizungsnetze das sind im Grunde ja eigentlich nur die Pflichtaufgaben der Stadtentwicklung.

00:13:20: Richtig!

00:13:21: dass es die Basis... ...die

00:13:22: Kühe ist eine andere.

00:13:24: um talentierte Köpfe anzuziehen braucht man ja ne Identität irgendwie so einen Magneten.

00:13:30: Und damit sind wir dann beim Masterplan, der im April vorgestellt wurde.

00:13:33: Der Name Weltenverbinden-Masterplan-Premnetz Erarbeitet von Klaus Theo Brenner und Sebastian Wagner.

00:13:42: Die beiden sind ja in der Architekturszene echte Schwergewichte bekannt unter anderem für die Rummelsburger Bucht in Berlin.

00:13:48: Und das ist ein sehr aussagekrächtiger Vergleich muss man sagen, an der Rummelnsburger Buch haben sie nämlich gezeigt wie man einen ehemals stark industriell geprägtes ja teilweise sogar toxisches Brachland in ein hoch attraktives Wohn- und Freizeitquartier direkt am Wasser transformiert.

00:14:06: Ja wer Berlin kennt weiß wie beliebt die Ecke heute ist.

00:14:09: eben Die haben da nicht einfach Häuser hingestellt sondern die haben richtig Sichtachsen zum waschen geschaffen und diese ganze industrielle Historie auch architektonisch integriert.

00:14:20: Und genau diese Expertise für solche Transformationsprozesse, die bringen sie nun eben nach Bremnitz.

00:14:27: Und ihr ganz klar formuliertes Ziel für die Bremnica Neue Mitte ist es ja – Die Stadt als Standort für die internationale Bauausstellung also die IBA im Jahr.

00:14:38: Um das für Sie als Hühnerer mal so ein bisschen greifbar zu machen, dass ist, als würde so ein grundsolides regionales Restaurant plötzlich einen Michel-Nährsterner Koch anglargieren.

00:14:48: Schönes Bild!

00:14:49: Der schreibt ja nicht nur das Menü um sondern der reist gleich das ganze Gebäude ein, um eine komplett neue Küche zu bauen.

00:14:56: Es verändert einfach sofort wie Investoren und auch das ganze Land auf diese Stadt schauen.

00:15:01: Genau.

00:15:01: Und wenn wir das mit dem Gesamtbild verknüpfen Diese internationale Bauausstellung, das ist ein extrem mächtiges Instrument.

00:15:10: Inwiefern?

00:15:11: Man darf sich das auf keinen Fall wie so eine wochenendliche Immobilienmesse vorstellen.

00:15:16: So ne IBA ist wirklichen über viele Jahre angelegter Ausnahmezustand in der Stadtplanung.

00:15:23: Ach

00:15:23: krass okay!

00:15:24: Städte wie Brandenburg an der Havel oder auch ganze Regionen, wie das Ruhrgebiet damals mit der Ibar-Emschar Park.

00:15:31: Die haben bewiesen dass dieser Status einfach den Zugang zu enormen staatlichen Fördertöpfen öffnet.

00:15:36: Das gute alte Geld?

00:15:38: Genau!

00:15:39: Es hebelt bürokratische Hürden aus und bündelt Fördermittel für eine ja klimaresiliente Quartiersentwicklung Und diese Summe könnte eine Kommune alleine niemals aufbringen.

00:15:49: Wahnsinn

00:15:50: Der Masterplan von Brenner und Wagner, der ist im Grunde genommen die offizielle Bewerbungsmappe für diese ganzen Fördermillionen.

00:15:57: Und

00:16:11: zwar in der ehemaligen Stadtbibliothek in Premnitz.

00:16:13: Genau und das Faszinierende daran finde ich, man muss dafür nicht online irgendwie wochenlang vorher Tickets buchen.

00:16:20: Nee!

00:16:20: Man spaziert einfach zur PWG also der Bremnitzer Wohnungsbaugesellschaft und holt sich dort völlig unbürokratisch den Schlüssel ab.

00:16:28: Ich finde das großartig.

00:16:30: Ich liebe dass.

00:16:31: Das ist so ein herrlich lokaler fast dörflicher Ansatz für eine riesige internationale Architekturvision.

00:16:38: Ja Aber es zeigt eben auch, dass die großen Visionen am Ende immer lokal verankert bleiben müssen.

00:16:45: Und das ist eigentlich eine perfekte Überleitung zu einer Ebene, die in diesen ja hochtrabenden Masterplänen echt oft vergessen wird!

00:16:53: Die Mikro-Ebene Weil Architektur auf dem Papier gezeichnet von irgendwelchen Berliner Stararchitekten bringt ihr am Ende gar nichts wenn niemand da ist der das neue Quartier in der Realität

00:17:05: pflegt.

00:17:05: Richtig

00:17:06: Wir müssen also über die Hausvater der WBG sprechen.

00:17:10: In unseren Quellen werden sie fast schon liebevoll, die drei Männer für alle Fälle genannt.

00:17:15: Ja und in diesen drei Personen materialisiert sich das gesamte Quartiersmanagement?

00:17:19: Wer besprechen hier nicht von klassischen Facility-Managern, die nach Stempelur Mülleimer lehren?

00:17:25: Nein überhaupt nicht!

00:17:27: Das sind echte Gestalter

00:17:29: Absolut!

00:17:30: Lass uns die drei mal ganz kurz vorstellen, weil ihre Profile zagen einfach wunderbar wie diese WBG eigentlich tickt.

00:17:35: Also da ist Haino Villand.

00:17:37: Mh-hm?

00:17:37: Fünfundfünfzig ein ziemlicher Pflanzen-Nerd der es erst seit zwei Jahren dabei hat aber sofort eigene Ideen für die Begrünung umgesetzt.

00:17:45: Super wichtig.

00:17:46: Dann Steffen Bohrmann.

00:17:47: Neununddreißig Der hat zu diesem berühmten frischen Wind in die Truppe gebracht und er restauriert nach Feierabend alte Simson-Mohpads.

00:17:54: Sehr cool.

00:17:55: Und das Fundament der Drei is' ganz klar Harry-Ficht.

00:18:02: Der Mann kennt wahrscheinlich jeden Leitungsschacht und jeden zweiten Mieter beim Vornamen.

00:18:10: Und der entscheidende Punkt in den Dokumenten ist hier, dass die Geschäftsleitung diesen drei Männern in ihren jeweiligen Revieren wirklich freie Hand lässt?

00:18:18: Das ist ja nicht selbstverständlich!

00:18:20: Das ist ein extrem strategischer Ansatz.

00:18:23: Ein Hauswart, der sich mit seinem Viertel wirklich identifiziert, der sieht ja präventiv wo es vielleicht soziale Spannungen gibt oder wo ein Gehweg ausgebessert werden muss und zwar lange bevor es zu einem echten Problem wird.

00:18:36: Das stimmt!

00:18:37: Ich muss hier aber mal einen ganz kurzen Servicehinweis aus den Unterlagen für unsere Hörer aus Bremnitz einschieben weil das in der Praxis offenbar echt oft falsch läuft.

00:18:48: Ah ja, die Anrufe.

00:18:49: Genau also auch wenn Harry, Heino und Steffen quasi immer präsent sind rufen sie die drei bitte nicht auf ihren privaten Handys an Wenn ihr Wasserhand tropft.

00:18:59: ganz wichtig Ja.

00:19:00: Die WBG hat dafür extra eine zentrale Koordination geschaffen Frau Nicole Weber die steuert das Ganze nämlich.

00:19:08: Und für die echten Katastrophen Also wie einen Rohrbruch am Sonntagabend da gibt es eine extra vierundzwanzig Stunden Notfallnummer.

00:19:16: Und dieses System, das funktioniert eben nur wenn man den Hauswarten den Rücken frei hält.

00:19:20: Damit sie eben wie vorhin gesagt wirklich gestalten können.

00:19:23: Und wie dieses Gestalten dann aussieht?

00:19:25: Das verbindet die Arbeit der drei Männer ja direkt mit den hochfliegenden Plänen der IBA-二zig vierunddreißig

00:19:32: Genau!

00:19:33: Heiner, Steffen und Harry lassen nämlich aktuell an den Randflächen dieser Viertel ganz gezielt kleine ungemellte Blühwiesen wachsen.

00:19:41: Es ist genau das was mich bei der Recherche so fasziniert hat.

00:19:45: Warum lassen Sie das Gras stehen?

00:19:46: Ist es irgendwie Faulheit?

00:19:48: Nein, im Gegenteil.

00:19:50: Es ist echtes Mikroklima-Management!

00:19:53: Also dass ständige Mehnen in der prallen Sommersonne – das würde die Böden ja komplett austrocknen und urbane Hitzeeinseln nur noch weiter verschärfen.

00:20:03: Indem Sie jetzt bestimmte Flächen als Blühwiesen einfach mal stehen lassen, binden sie Freuchtigkeit im Boden, kühlen so das Mikroklima des ganzen Viertels und schaffen eben gleichzeitig essenzielle Nahrungsquellen.

00:20:15: Also Pollen für Insekten und Vögel.

00:20:17: Klimaresilienz fängt also nicht erst an wenn keine Ahnung, zwanzig-vierunddreißig ein internationale Architektes Band durchschneidet.

00:20:24: Exakt!

00:20:24: Sie fängt heute an... Wenn ein Hauswart entscheidet, welche Blumenmischung er da jetzt aussäht.

00:20:30: Makrostrategie und Mikroumsetzung greifen hier einfach perfekt

00:20:34: ineinander.".

00:20:35: Also was bedeutet das alles?

00:20:37: Das ist wirklich der Kern der ganzen Geschichte!

00:20:40: Wenn wir am Ende auf unsere ursprüngliche Leitfrage zurückblicken... Wer wohnt in Prämnitz?

00:20:47: Dann sehen wir eine Stadt, die ihre industrielle Arbeitergeschichte aus den fünftiger Jahren ja überhaupt nicht verleugnet.

00:20:53: Nee sie schreibt sie intelligent weiter

00:20:55: Richtig!

00:20:55: Die WBG zieht Familien mit hundertzwanzig Quadratmeter Doppelhäusern an.

00:21:00: Sie experimentiert mutig mit diesen Inklusivmieten für Studenten Und

00:21:04: sie sieht ein gigantisches Fernwärmenetz als Bollwerk gegen die Energiekrise hoch

00:21:08: Genau und arbeitet parallel mit der Stadt an der großen IBA-Vision für so einen neue Mitte.

00:21:14: Also Premditz baut aktiv das Labor für die Stadt der Zukunft.

00:21:18: Ja,

00:21:18: und genau aus dieser Erkenntnis heraus möchte ich Ihnen am Ende unserer tiefgehenden Recherche noch einen wirklich sehr provokanten Gedanken mit auf den Weg geben!

00:21:28: Wir reden immer davon dass die Metropolen die absoluten Gewinner des demografischen wandelt sein.

00:21:33: Das hört man andauernd ja

00:21:35: Aber in einer Arbeitswelt, die durch Remote Work und Home-Office und digitale Zusammenarbeit immer Ortsunabhängiger wird definieren wir den Begriff Metropole bis zu einem Jahrzehnte vielleicht völlig neu.

00:21:48: Du meinst also dass der klassische Magnetismus von sag mal... Berlin oder München nachlässt.

00:21:53: Ganz genau!

00:21:55: Wenn ihr Job nur noch einen Laptop und Glasfaser-Internet erfordert, warum sollten sie dann ´tausend fünfhundert Euro für ein winziges dreißig Quadratmeter Zimmer in so einer lauten überhitzen Berliner Innenstadt bezahlen?

00:22:08: Macht keinen Sinn.

00:22:09: Orte

00:22:09: wie Premnitz – also grün infrastrukturell hervorragend angebunden und vor allem bezahlbar.

00:22:16: Die bieten plötzlich das was wirklich echter Luxus ist.

00:22:19: Raum Natur und so eine resiliente Gemeinschaft.

00:22:23: Es ist extrem gut möglich, dass die Gravitationszentren für junge Talente- und digitale Nomaden im Jahr

00:22:32: sondern

00:22:33: eben intelligent transformierte Mittelstädte.

00:22:36: Der Hundertzwanzig Quadratmeter Garten in der neuen Mitte Primnitz gegen diesen ständigen Larm- und Platzmangel in der Großstadt, das ist tatsächlich eine Rechnung die zwei Tausendvierunddreißig für sehr viele Menschen extrem logisch aufgehen wird.

00:22:49: Absolut!

00:22:49: Liebe Hörerinnen und Hörern nehmen Sie diesen Gedanken gerne mit in Ihren Tag.

00:22:53: Wenn Ihnen unsere heutige Analyse gefallen hat, freuen wir uns riesig wenn Sie unseren Podcast an Ihre Freunde, Nachbarn und Kollegen weiter empfehlen.

00:23:00: Das

00:23:00: hilft uns enorm!

00:23:01: Genau – und vergessen sie nicht in unsere Shownotes zu schauen.

00:23:05: Dort finden Sie nämlich noch weitere Hintergründe zu den Projekten der WBG und natürlich auch die exakten Infos wie Sie an den Schlüssel für diese Masterplan-Ausstellung in der alten Stadtbibliothek kommen.

00:23:17: Und damit sind wir auch schon wieder am Ende unseres Podcasts?

00:23:19: Hören Sie in vierzehn Tagen gerne wieder rein.

00:23:22: Sie finden uns auf allen bekannten Plattformen.

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