#009 Wind, Wasserstoff und Wandel – Energiewende im Havelland
Shownotes
Wie sieht die Energiezukunft des Havellands aus?
In dieser Folge von nextPremnitz34 sprechen wir über Windkraft, Wasserstoff, Batteriespeicher und die industrielle Transformation der Region. Im Mittelpunkt steht der Standort Premnitz, der sich Schritt für Schritt zu einem vernetzten Energie- und Industrie-Hub entwickelt.
Wir sprechen über:
- den Ausbau der Onshore-Windenergie im Havelland
- die Verbindung von Industrie, Energie und Infrastruktur durch Sektorkopplung
- innovative Technologien wie die Plasmavergasung von Rotorblättern, um daraus Wasserstoff zu gewinnen
- großskalige Batteriespeicher zur Stabilisierung der Stromnetze
- regionale Ausbauziele und Planungen bis 2027
- das sogenannte Repowering, also die Modernisierung bestehender Windkraftanlagen
- die finanzielle Beteiligung von Kommunen an Energieprojekten
- die Frage, wie Kreislaufwirtschaft und industrielle Innovation gemeinsam funktionieren können
Diese Folge zeigt: Die Energiewende findet nicht nur in Metropolen statt – sondern direkt vor unserer Haustür. Und Premnitz könnte dabei eine wichtige Rolle spielen.
Mehr Infos auch unter: https://www.havelland.de/ https://www.eew-energyfromwaste.com/ https://www.wirtschaftsregionwestbrandenburg.de
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Redaktion: Christopher Weiß, in Zusammenarbeit mit NotebookLM Produktion: STRÖM New Audio Culture, www.stroem.media
🎧 Transparenzhinweis: Die Inhalte von SNAXX – The Snackable Podcast entstehen in einem kollaborativen Workflow: Die Inhalte und Ideen zu den einzelnen Folgen stammen von Christopher Weiß. Die redaktionelle Ausarbeitung und Produktion erfolgen in Zusammenarbeit mit NotebookLM (Google Labs) unter Nutzung der integrierten Podcast-Funktionen. Die Shownotes werden mit Unterstützung von ChatGPT erstellt, die abschließende Redaktion, Finalisierung und das Publishing übernimmt erneut Christopher Weiß.
Transkript anzeigen
00:00:00: Herzlich willkommen zu einer weiteren Folge unseres neuen Podcasts.
00:00:04: Next Premnitz, thirty-four.
00:00:06: Ihr Podcast aus und über Premnits.
00:00:08: Hallo zusammen!
00:00:10: Stellen Sie sich für einen kurzen Moment mal einen gigantischen Hochofen vor.
00:00:15: Okay ich habe ein Bild im Kopf...
00:00:17: Also im Inneren brennt ein Feuer bei über dreitausend Grad Zellfluss.
00:00:21: das ist echt heißer als vulkanische Lava.
00:00:24: Und jetzt stellen Sie sich vor, wir werfen da so ein fünftig Meter langes massives Windradrotorblatt rein.
00:00:29: Ja genau diese Dinger die sich ja eigentlich überhaupt nicht riskieren lassen.
00:00:32: Ganz genau!
00:00:34: Aber was da am Ende herauskommt ist eben kein giftiger schwarzer Rauch sondern reiner sauberer Wasserstoff also der Treibstoff unserer Zukunft.
00:00:42: Das klingt ehrlich gesagt komplett nach Science Fiction.
00:00:45: Richtig Aber genau das ist keine Fiktion, sondern das ist der konkrete Plan für eine Anlage hier bei uns im Haveland.
00:00:52: Und damit sind wir eigentlich auch schon mitten in unserer heutigen Analyse!
00:00:55: Wir gehen nämlich einer echt zentralen Frage auf den Grund.
00:00:59: Wie verwandert sich so ein Region?
00:01:01: Die ja für ihre ganz klassische Industriegeschichte bekannt ist... Ja, ich würde sagen modernste Energieökosystem des Landes.
00:01:09: Weil es reicht ja längst nicht mehr einfach nur ein paar Windräder irgendwo auf einen Feld zu stellen?
00:01:14: Genau!
00:01:15: Die eigentliche Herausforderung der Energiewende liegt in der Systemintegration und wenn wir uns die Daten- und die Pläne für das Haveland ansehen – und da ganz speziell den Industriepark Bremnitz dann – erkennen wir Mechanismen, die echt weit über das hinausgehen was man so in den abendlichen Talkshows hört.
00:01:33: Die Zahlen für unsere Region, die haben mich bei der Recherche wirklich ein bisschen überrascht.
00:01:37: Mich tatsächlich auch!
00:01:39: Ja also wenn wir auf ganz Brandenburg schauen sehen wir einen massives Wachstum.
00:01:43: Wir hatten im Jahr zwei tausend zehn etwa vier Komma eins sechs Gigawatt installierte Windleistung Im ganzen Bundesland.
00:01:50: Für Zwei Tausend Sechzeixundzwanzig Liegen die Prognosen jetzt Bei fast Neun Komma Sechs Gigawatte.
00:01:55: das ist eine absolute Leistungs-Explosion.
00:01:58: Aber im Haveland selbst sieht dieser Energiemix irgendwie Ganz Anders Aus.
00:02:02: Ja, das ist richtig.
00:02:04: Da macht die Windkraft aktuell in Anführungsstrichen nur dreißig Prozent aus – das sind so knapp dreihundert Megawatt!
00:02:11: Die Solarenergie ist mit achtundfünfzig Prozent der unangefochten Spitzenreiter bei uns... ... und
00:02:16: genau dieser Blick auf die Quoten…der ist extrem aufschlussreich weil er eben zeigt dass das Haveland sein Energieportfolio schon sehr klug diversifiziert hat.
00:02:25: Wir sind also gar nicht so extrem windlastig wie man vielleicht von außen denkt
00:02:30: Überhaupt nicht.
00:02:31: Aber man vergisst bei diesen aktuellen Zahlen echt leicht die historische Dimension.
00:02:37: Das Haveland hat die Windkraft in Deutschland nämlich maßgeblich mit geprägt.
00:02:41: Stimmt, da war ja was im Jahr Zwei-Tausendneuen.
00:02:43: Exakt!
00:02:44: Da ging der Windpark Havelands ans Netz und das war damals nicht einfach irgendein Park sondern mit seinen dreiundachtzig Anlagen und gut einhundertseinundsiebzig Megawatt war dass der größte zusammenhängende Onshore Windpark in der ganzen Bundesrepublik.
00:02:59: Wahnsinn
00:03:00: Ja, ein echter Pionier-Arkt.
00:03:02: Der versorgt rechnerisch seitdem über achtundachzigtausend Haushalte.
00:03:06: Und genau diese lange Historie bringt uns eigentlich zu unserem ersten großen Problem bei der ganzen Sache?
00:03:13: Der Platz wird langsam verdammt knapp!
00:03:16: Ich hab mich da mal durch den sogenannten Achtung späriger Begriff Sachlichen Teilregionalplan Windenergie Nutzung twenty-seven gekämpft.
00:03:24: Oh ja Ein herrliches Dokument.
00:03:27: Absolut!
00:03:28: Aber die Vorgabe des Landes da drin ist knallhart, bis Ende twenty-siemundzwanzig müssen zwingend ein Prozent der Regionsfläche als Vorranggebiete für Windenergie ausgewiesen sein.
00:03:39: und wenn das nicht passiert
00:03:41: Ja, wenn die Regionalplanung das nicht schafft, verliert sie quasi die Kontrolle.
00:03:45: Dann greift er so eine rechtliche Klausel.
00:03:47: Windräder wären im sogenannten Außenbereich plötzlich
00:03:50: privilegiert.".
00:03:51: Das heißt es droht ein kompletter Wildwuchs weil Investoren fast überall bauen dürften?
00:03:56: Ganz genau!
00:03:58: Aber diese geforderten einen Prozent auf der Karte zu finden – das gleicht momentan einem fast unmöglichen Tetris-Spiel.
00:04:06: Die planerische Realität ist glaube ich in der Tat noch viel komplexer als so ein bloßes Tetrischspiel.
00:04:10: Ja, man nimmt seinen Puzzleteil also dieses geplante Windrad und versucht eine Lücke auf der Karte zu finden.
00:04:17: Und dann schiebt man es nach links und zack!
00:04:20: Plötzlich ist da ein Brutplatz von der Großtrappe oder einem Rotmilan.
00:04:24: Richtig Also dreht man es, schieb das nach rechts Da greift dann sofort dieses Kriterium B-Dreißig fünf
00:04:30: Kilometer Mindestabstand zwischen den Findparks
00:04:32: Genau damit die Dörfer nicht von diesen Rotoren umzingelt werden.
00:04:36: Und wenn man dann nach wochenlanger Planung endlich ein freies Feld gefunden hat, dann funkt plötzlich die Bundeswehr dazwischen und legt einen Veto ein.
00:04:43: Ja!
00:04:44: Das ist ein riesiger Faktor.
00:04:46: Warum mischt sich das Militär da eigentlich so extrem massiv ein?
00:04:49: Das ist am Ende ein rein physikalisches Problem... ...und das betrifft weite Teile des westlichen Havelands.
00:04:56: Diese Windenergieanlagen sind ja riesige sich bewegende Metall- und Kunststoffstrukturen.
00:05:02: Klar
00:05:03: Und für militärische Radeanlagen, also besonders für diese älteren Systeme der Flugsicherung erzeugen diese rotierenden Blätter einfach ein massives Störsignal.
00:05:11: Ah!
00:05:12: Wegen der Bewegung?
00:05:13: Exakt.
00:05:14: Durch den sogenannten Doppler-Effekt kann das Radar die sich drehenden Rotorblätter fälschlicherweise für tieffliegende Flugzeuge oder Hubschrauber halten.
00:05:22: Das ist natürlich fatal für die Luftraumüberwachung Absolut.
00:05:26: Das zuständige Bundesamt der Bundeswehr muss sein Sicherheitskorridor für Tieflüge aber zwingend gewährleisten.
00:05:32: Trotz dieser enormen Einschränkungen, und das ist echt die gute Nachricht aus diesen Planungsdokumenten wurden rund dreißig Vorranggebiete definiert.
00:05:40: Unter anderem auch das strategisch enorm wichtige VRW-Vonfünfzig direkt bei Premnitz.
00:05:46: Genau das!
00:05:47: Okay also nehmen wir mal an – Wir haben dieses gigantische bürokratische Puzzle jetzt gelöst.
00:05:53: Die Flächen sind ausgewiesen, die Anlagen drehen sich munter im Wind.
00:05:57: Schön wär's
00:05:58: Ja Aber dann stoßen wir direkt auf das nächste logische Problem.
00:06:02: Für sie als Zuhörer ist es vielleicht auch eine ziemlich bekannte Schlagzeile.
00:06:06: Was passiert eigentlich, wenn an der Küste und bei uns im Haarfeland nachts um drei ein Orkant tobt?
00:06:13: Ja – Das alte Problem der
00:06:14: Überproduktion?!
00:06:15: Genau!
00:06:16: Wir erzeugen dann massenhaft Windstrom aber kein Mensch schaltet nachts Umdrei den Fernseher oder die Waschmaschine an Und bisher hieß die frustrierende Lösung dafür immer, wir müssen die Windräder abschalten Also abregeln, weil sonst das ganze Stromletz kollabiert.
00:06:31: Und dieses Abregeln ist ökonomisch wie ökologisch ein enormer Verlust!
00:06:36: Wir werfen da buchstäblich saubere Energie einfach weg.
00:06:39: Das tut weh.
00:06:40: Total!
00:06:42: Um dieses Problem zu lösen müssen wir unseren Blick jetzt auf den Industriepark Premnitz richten – also den IPP.
00:06:49: Da wo früher das riesige Chemiefaser-Kombinat stand haben wir heute über Hundertfünfzig Hektar moderne Nettoindustriefläche Und das Herzstück dort ist momentan die thermische Abfallverwertungsanlage der EEW.
00:07:02: Moment, da muss ich jetzt wirklich mal ganz kritisch reingredschen!
00:07:05: Nur zu?
00:07:06: Wir reden hier die ganze Zeit über die grüne Energiewende, über super sauberen Strom und sie bringen jetzt anstrengend eine Müllverbrennungsanlage als Herzstuck ins Spiel – Das klingt für mich nach tiefstem zwanzigsten Jahrhundert und echt nicht nach innovativer Nachhaltigkeit.
00:07:22: Ja ihre Skepsis ist absolut verständlich Aber wir müssen uns die thermischen und elektrischen Prozesse dieser Anlage mal genauer ansehen.
00:07:30: Es geht hier nämlich nicht um stinknormalen Hausmüll,
00:07:32: sondern
00:07:33: es geht um jährlich rund dreihunderttausend Tonnen Industrie- und Gewerbeabfälle.
00:07:38: Das sind hochkaliorische Ersatzbrennstoffe, die sich eben werkstofflich gar nicht mehr recyceln lassen.
00:07:43: Okay
00:07:43: also Müll mit dem man sonst eh nichts mehr anfangen kann?
00:07:46: Richtig!
00:07:47: Und die Verbrennung erzeugt Prozessdampf für die Industrie vor Ort und dazu gewaltige hundertdreißig tausend Megawattstunden Fernwärme.
00:07:54: Wow!
00:07:54: Seit Ende Jahrzehnte wird damit sogar die Stadt Brandenburg an der Havel über eine neue Fernwärmetrasse beheizt.
00:08:01: Das ist super effiziente Grundlast, aber der entscheidende Brückenschlag zur Windkraft, der passiert jetzt durch ein völlig neues Projekt auf diesem Gelände.
00:08:09: Okay
00:08:09: was genau bauen die da jetzt?
00:08:10: Die EEW reist dort aktuell am eiten Industrie-Schornstein ab.
00:08:14: Der Platz wird nämlich gebraucht für einen riesigen Batteriespeicher mit fünfzehn Megawattstunden Kapazität Und durch diese Batterie wird aus der bloßen Müllverbrennungsanlage plötzlich ein netzdienliches Speicherkraftwerk.
00:08:27: Ah,
00:08:28: jetzt verstehe ich den Mechanismus!
00:08:30: Die Batterie ist im Grunde der Schwamm.
00:08:32: Also wenn nachts um drei der Orkan tobt und wir viel zu viel Windstrom im Netz haben fängt die Batterie im Industriepark einfach den überschüssigen Strom
00:08:40: auf.
00:08:41: Genau so ist es.
00:08:42: Das Netz wird entlastet und die Windräder im Haveland müssen eben nicht mehr abgeschaltet werden.
00:08:47: Wenn dann am nächsten Morgen Flaute herrscht... Bremnitz diesen gespeicherten Strom einfach wieder ein.
00:08:53: Korrekt,
00:08:53: die Anlage glättet sozusagen die Spitzen der erneuerbaren Energien – das ist für die lokale Netzstabilität ein enormer Gewinn!
00:09:01: Wir haben da also die stetige Grundlast der thermischen Verwertung geschickt kombiniert mit der Flexibilität eines Großspeichers.
00:09:08: Das ist wirklich extrem smart, also fünfzehn Megawatt-Stunden… Tausende Haushalte für mehrere Stunden zu versorgen oder industrielle Lastspitzen abzufedern.
00:09:21: Aber – und das ist jetzt ein großes aber, wenn ich mir unsere Wirtschaft anschaue die Chemieindustrie diese riesigen Schmelzöfen oder auch der Schwerlastverkehr, die können wir ja nicht alle einfach an eine Baggerieklemmen.
00:09:33: Da reicht uns der Strom allein einfach nicht aus.
00:09:35: Hier stoßen wir genau an die physikalischen Grenzen von Batterien.
00:09:39: Batterien sind hervorragend für ganz kurzfristige Stromspeicherung, aber für Prozesse die extreme, konstante Hitze benötigen oder für so saisonale Langzeitspeicherungen bis in den Winter rein – da brauchen wir Moleküle keine Elektronen.
00:09:54: Wir brauchen Gase!
00:09:56: Der Fachbegriff dafür lautet Sektorenkoppelung.
00:09:59: Das ist im Grunde wie so eine universelle Wechselstube für Energie.
00:10:03: Richtig?
00:10:04: Ja, schöner Vergleich!
00:10:05: Wir tauschen quasi die Währung Strom in die Wärung Gas um damit wir sie in den Systemen nutzen können, die eben keine klassische Steckdose haben.
00:10:14: Ein sehr treffendes Bild ja und ein konkretes Projekt das genauso eine Wechsel-Stube baut finden wir im Millauer Land direkt nördlich von Premnitz – das Projekt Zollchau.
00:10:25: Das sind die Firmen Naturwind und WPD, richtig?
00:10:28: Richtig.
00:10:29: Was machen sie denn da anders als bisher?
00:10:31: Die wandeln die Energie direkt an der Quelle um.
00:10:34: Geplant ist da den Windstrom aus dem örtlichen Eignungsgebiet mit Solarstrom aus einer alten Kiesgrube zu kombinieren.
00:10:40: Okay also eine Doppelnotion
00:10:42: Genau!
00:10:43: Und statt diesen Strom jetzt mühsam über neu zubauende Hochspannungstrassen irgendwie abzutransportieren entsteht da direkt vor Ort eine Power-to-Gas Anlage.
00:10:53: Der Strom spaltet Wasser auf, es wird dann grünes Methan erzeugt und dieses Gas wird sofort in das bereits bestehende Erdgasnetz vor Ort eingespeist.
00:11:01: Wir nutzen also einfach die vorhandenen Gas-Pipelines als gigantischen unterirdischen Energiespeicher.
00:11:08: Das löst ja direkt mehrere Infrastrukturprobleme auf einmal.
00:11:11: Absolut!
00:11:12: Das ist der riesige Vorteil der Gasnetze.
00:11:14: Aber lassen Sie uns mal auf das Projekt zurückkommen dass ich ganz am Anfang mit diesem dreitausend Grad heißen Hochofen angetiesert habe.
00:11:22: Das ist echt mein absolutes Highlight aus unseren Quellen.
00:11:26: Das Projekt der Neue Energienbremnitz GmbH.
00:11:30: Wir sprechen hier über die Plasma-Vergasung oder auch Plasmolyse und um zu verstehen, warum das so revolutionär ist müssen wir uns das Ausgangsmaterial mal genau anschauen also die Windradrotorblätter.
00:11:43: Bisher waren diese riesigen Blätter doch ein absoluter Albtraum für die Kreislaufwirtschaft?
00:11:48: Ein völliger Albtraum!
00:11:50: Die bestehen ja aus superkomplexen Glas- und Kohlenstofffaserverbundstoffen total verklebt mit Epoxidharzen.
00:11:56: Man kann die nicht einfach einschmelzen wie so eine leere Glasflasche, bisher wurden sie oft einfach nur zerschreddert und in irgendwelchen Zementwerken
00:12:04: verbrannt.".
00:12:04: Das
00:12:05: Problem bei diesen Kunstharzen ist eben ihre molekulare Struktur – die bestehen aus extrem stabilen Kohlenwasserstoffketten.
00:12:14: Und genau hier greift das patentierte Plasmaverfahren in Premnitz ein!
00:12:19: Diese geschredderten Rotroblätter oder übrigens auch Reste aus dem Autoshredder werden in einen Reaktor gedeben, indem ein Plasma erzeugt wird.
00:12:27: Und da wird es dann heiß?
00:12:29: Sehr heiß!
00:12:30: Bei Temperaturen von über dreitausend Grad Celsius passiert etwas wahnsinnig Faszinierendes.
00:12:36: Die thermische Energie ist so extrem hoch dass die molekularen Bindungen dieser Polymere regelrecht aufgerissen werden.
00:12:43: Das heißt Diese Hitze trennt die Kohlenstoffatome gewaltsam von den Wasserstoffatomen.
00:12:48: Vereinfacht gesagt ja, die komplexe chemische Struktur zerfällt wieder komplett in ihre Grundbausteine.
00:12:54: Wahnsinn!
00:12:55: Und aus diesem einst unrecyclebaren Abfall gewinnen wir am Ende jährlich siebentausend fünfhundert Tonnen hoch reinen Wasserstoff.
00:13:02: Das ist enorm!
00:13:03: und als Nebenprodukt fallen zudem noch hunderttausenden Tonnen flüssiges CO-Zwei an.
00:13:09: das wird abgetrennt und kann von der Industrie direkt weiter genutzt werden beispielsweise in der Getränkeindustrie oder der chemischen Synthese.
00:13:17: Das ist echt unglaublich faszinierend und das Timing für diese Anlage könnte eigentlich gar nicht besser sein, wenn wir uns diesen großen Trend zum sogenannten Repowering anschauen.
00:13:27: Da sprechen Sie einen extrem wichtigen Punkt an!
00:13:30: Wir haben ja vorhin über die Anfänge gesprochen.
00:13:32: so eine alte Anlage aus dem Jahr zwei tausend neun leistet vielleicht zwar megawatt.
00:13:38: Wenn die heute abgebaut wird dann stellt man da hochmoderne Giganten mit Fünf-Kommer fünf bis sieben Megawatt Leistungen.
00:13:46: Ein perfektes Beispiel dafür ist die Molauer Platte hier in der erweiterten Region, dort werden aktuell achtzehn alte Anlagen abgebaut.
00:13:54: und durch wie viele neue werden die ersetzt?
00:13:56: Durch nur noch zwölf Neue!
00:13:58: Ach krass!
00:13:58: Obwohl da also sechs Windräder weniger in der Landschaft stehen verdreifacht sich die installierte Leistung von siebenundzwanzig auf über fünfundachzig megawatt.
00:14:08: Und die alten Rotorblätter dieser achtzehn abgebauten Anlagen, die wandern dann perspektivisch direkt nach Premnitz in den Plasma-Reaktor.
00:14:16: Premnits löst also das massive Müllproblem der Windkraft und erzeugt dabei gleichzeitig unseren zukünftigen Treibstoff.
00:14:23: Genau das ist die zirkuläre Idee dahinter...
00:14:26: ...und dieser Wasserstoff bleibt dann vermutlich nicht nur im Industriepark oder?
00:14:30: Nein!
00:14:31: Premnids sichert sich hier eine absolute strategische Schlüsselposition.
00:14:35: Geplant ist nämlich der Anschluss an das Projekt Flow.
00:14:38: Was genau ist das?
00:14:39: Das ist das entstehende zehntausend Kilometer lange Wasserstoffkernnetz hier in Deutschland.
00:14:44: Über dieses Pipeline-Netz wird das Haveland vom rein lokalen Stromproduzenten zum nationalen Exporteur von grünem Wasserstoff.
00:14:52: Wir haben jetzt echt erst viel über technologische Wunderwerke gesprochen, also das Flächentetris ist gelöst die Batterien glätten das Stromnetz Der Plasmareaktor recycelt unsere alten Rotorblätter.
00:15:05: Aber diese ganze Technologie existiert ja nicht im luftleeren Raum, sie braucht Land und dieses Land gehört Kommunen und es gehört den Menschen dort.
00:15:15: Und wenn wir da mal ehrlich in unsere Quellen schauen Diese Transformation sorgt vor Ort für enorme politische Hitze.
00:15:24: Die Frage der gesellschaftlichen Akzeptanz ist letztlich der eigentliche Flaschenhals dieser gesamten Entwicklung.
00:15:29: Definitiv
00:15:30: Wenn wir eine Anlage direkt vor der eigenen Haustür bauen, dann kollidieren der globale Klimaziele sehr hart mit lokalen Interessen.
00:15:37: Ein sehr anschauliches Beispiel dafür fand im Juli- in Rathinau statt.
00:15:43: Dort gab es extra eine Sondersitzung der Stadtverordnetenversammlung.
00:15:47: Richtig!
00:15:47: Es ging um die Freigabe von stelleigen Waldflächen für neue Windkraftanlagen und das Votum fiel mit siebzehn Jahrstimmen zu zehn Nein Stimmen Alles andere als eindeutig aus.
00:15:59: Das war ein richtig harter politischer Kampf!
00:16:02: Und wenn wir diese Debatte mal ganz analytisch und völlig wertfrei betrachten, dann sehen wir das beide Seiten sehr gewichtige Argumente ins Feld führen.
00:16:10: Die Befürworter verweisen natürlich auf die immensen Pachteinnahmen, die einer Kommune durch Windkraft auf ihren eigenen Flächen zufließen.
00:16:17: Das ist viel Geld, dass dringend für die Daseinsvorsorge gebraucht wird – ganz abgesehen von der CO-Zwei-Einsparung.
00:16:23: Klar,
00:16:23: Kitas Straßen muss ja alles bezahlt werden.
00:16:26: Genau Die Kritiker und hier finden sich ja oft auch Naturschutzverbände wie der NABU, die argumentieren mit dem Schutz wertvoller Waldökosysteme.
00:16:34: Das ist halt ein klassischer Zielkonflikt.
00:16:36: Exakt!
00:16:37: Dürfen wir lokale Naturräume industrialisieren um das globale Klima zu schützen?
00:16:43: Und in diese höchst emotionale wirklich lokale Debatte mischt sich dann noch die ganz große Bundespolitik ein.
00:16:51: In unseren Unterlagen sticht da eine sociologische Studie das Instituts der deutschen Wirtschaft extrem hervor.
00:16:58: Die beschreibt den sogenannten Backlash-Effekt bei der Windkraftakzeptanz.
00:17:03: Dieses sociologisch Phänomen ist extrem spannend, weil es völlig kontraintuitiv wirkt.
00:17:08: Die
00:17:10: Studie untersucht diese Fundamental-Opposition gegen Windkraft, wie sie politisch ja häufig von der AfD vertreten wird.
00:17:16: Man sollte eigentlich meinen dass diese laute Ablehnung die generelle Skepsis in der Bevölkerung weiter schürt.
00:17:22: Würde man denken?
00:17:23: Ja!
00:17:23: Die Daten zeigen aber für bestimmte Wählergruppen genau das Gegenteil.
00:17:27: Wie erklären Soziologen das denn also?
00:17:29: wieso führt eine so harte Ablehnung zu mehr Zustimmung bei anderen?
00:17:33: Es geht hier ganz stark um Ingroup und Outgroup Dynamiken.
00:17:37: Wenn eine als extrem wahrgenommene politische Gruppe ein Thema so fundamental attackiert, wird dieses Thema für andere gesellschaftliche Gruppen plötzlich zu einem Symbol der eigenen Abgrenzung.
00:17:49: Ah ok!
00:17:51: Das Windrad ist dann also nicht mehr nur eine Maschine zur Stromerzeugung?
00:17:55: Genau es wird zu einem sichtbaren ideologischen Symbol für Fortschritt, Klimaschutz und vor allem für die Distanzierung von rechtspopulistischen Positionen.
00:18:06: Die Härte des Angriffs provoziert eine solidarische Gegenreaktion, also den Backlash.
00:18:11: Sehr spannend!
00:18:12: Aber wenn wir jetzt mal von diesen politischen Symbolen wegkommen und wieder auf den Boden der Tatsachen blicken...
00:18:17: Gerne
00:18:18: Wie schaffen wir denn echte breite Akzeptanz bei den Menschen die jeden Tag auf diese Anlagen schauen müssen?
00:18:24: Also wie holt man die Bürger wirklich mit ins
00:18:27: Boot?!
00:18:27: Die Lösung liegt in der spürbaren wirtschaftlichen Teilhabe.
00:18:31: Sobald so eine Anlage nicht mehr nur einem anonymen Investor von weit weg gehört, sondern der eigenen Region nutzt, kippt die Stimmung.
00:18:38: Brandenburg hat ja schon was Gesetzliches auf den Weg gebracht oder?
00:18:42: Richtig!
00:18:43: Das Land Brandenburger hat das gesetzlich mit dem sogenannten Windkraft-Euro verankert – das ist eine verpflichtende Abgabe an die direkten Nachbarkommunen.
00:18:51: Aber Projekte wie der Windpark Südo im Milovaland gehen dann noch deutlich weiter….
00:18:56: Was machen die Projektierer dort konkret?
00:18:58: Die etablieren Modelle der direkten Bürgerbeteiligung und vor allem der Zweckbindung.
00:19:04: Wenn sie als Bürger sehen, dass durch die Einnahmen aus dem Windpark auf dem Nachbarfeld plötzlich das Dach der örtlichen Kita saniert wird oder das Gemeindezentrum eine neue Ausstattung bekommt dann ändert sich die Perspektive grundlegend
00:19:16: Logisch!
00:19:17: Die Anlage wird dann vom Störfaktor zum Garanten für den lokalen Wohlstand.
00:19:22: Genau das ist der Hebel.
00:19:24: Lassen Sie uns all diese faszinierenden Entwicklungen mal zusammenziehen.
00:19:28: Wir haben das Haveland, dass seine Flächen intelligent und hart umkämpft nutzt!
00:19:33: Wir haben die Batterien, die das Stromnetz glätten.
00:19:35: wir haben diese unfassbare Plasmavergasung in Premnitz und die Beteiligung der Bürger.
00:19:41: wenn wir jetzt mal einen kleinen Sprung in die Zukunft machen sagen wir ins Jahr zwanzig vierzig.
00:19:47: was bedeuten diese ganzen Vorhaben strategisch für unsere Region?
00:19:51: Wenn die Integration all dieser Sektoren gelingt, dann blicken wir eigentlich auf drei zentrale Szenarien.
00:19:58: Erstens das Haveland emazipiert sich vom Rhein-Stromlieferanten und wird zum großen Exporteur grüner Moleküle.
00:20:05: Wasserstoffe und Methan fließen über das FLONITS in den großen Industriezentren der Republik.
00:20:10: Ein riesiger Wirtschaftsfaktor!
00:20:13: Zweitens – Bremnitz etabliert sich als das nationale Zentrum der zirkulären Windindustrie.
00:20:20: Wir bauen Anlagen also nicht nur auf, wir verwerten sie am Ende ihres Lebenszyklus komplett und vor allem hoch profitabel wieder.
00:20:29: Und drittens?
00:20:30: Wir demonstrieren eine völlig neue Netzstabilität!
00:20:34: Wir zeigen das erneuerbare Energien industriell wirklich grundlastfähig sind.
00:20:39: Ökologie-und harte wirtschaftliche Wertschöpfung sind hier keine Gegensätze mehr sondern bedingen sich.
00:20:46: Das ist ein wirklich starker Ausblick.
00:20:48: Für sie als Zuhörer möchte ich zum Abschluss noch einen Gedanken formulieren, der mich echt seit der Beschäftigung mit diesen Quellen überhaupt nicht mehr
00:20:54: loslässt.".
00:20:57: Wenn wir in Premnitz bald in der Lage sind aus gewaltigen komplett ausgedienten Rotorblättern durch dieses dreitausend Grad heiße Plasma den reinsten Treibstoff der Zukunft zu gewinnen... Was bedeutet das dann eigentlich für unsere Vorstellung von Müll?
00:21:13: Eine philosophische, aber sehr berechtigte Frage.
00:21:16: Ja vielleicht leben wir hier im Haveland schon bald in einer Region in der es den Begriff Abfall gar nicht mehr gibt sondern alles um uns herum nur noch ungenutzte Energie ist.
00:21:27: Das ist ein sehr treffendes Schlusswort
00:21:29: Wenn Ihnen unsere heutige Analyse, dieser tiefer Einblick in unsere Region und in die echten Mechanismen der Energiewende gefallen hat.
00:21:38: Dann würden wir uns riesig freuen wenn Sie unsere Sendung weiter empfehlen – ob an Nachbarn, Freunde oder Kollegen!
00:21:44: Und alle Links zu den erwähnten Projekten zum Flächentätriss und zur Plasmavergasung finden sie natürlich detailliert in unseren Shownotes
00:21:52: Richtig, schauen Sie da super gerne mal rein.
00:21:54: Und damit sind wir auch schon wieder am Ende unseres Podcasts.
00:21:57: Hören sie in vierzehn Tagen gerne wieder rein!
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